Swinging Hamburg - Die Webseite aus der Jazzhauptstadt Hamburg

Die Geschichte der Hamburger Jazzszene - Teil 04 - Gabriele Benedix

4.3 Hamburger Musiker


Das oben beschriebene Kapitel zeigt, daß in Hamburg ein buntes Jazzleben in unterschiedlichsten Clubs existierte. Das Gros war jedoch der etwas traditionslastige Jazz. "Die Dixie-Plagiatoren zogen sich durch fünf Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte." Es gab aber auch Musiker, die vom traditionellen Jazz zur Modernen übergingen. Sie hatten allerdings nur wenig Auftrittsmöglichkeiten. Im Wesentlichen wurde das Bild des Hamburger Jazz durch internationale Künstler geprägt, eine Problematik, die sich bis heute fortsetzt. Wenige Clubs ließen Hamburger Musiker auftreten.

Im Onkel Pö hörte man regelmäßig lokale Künstler, in den anderen Clubs nur bedingt. Im Dennis Swing Club beispielsweise spielten überwiegend schwarze Musiker. Linneberger sagt zwar, daß die Hamburger Künstler, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, im Dennis ''ihre Hörner abstoßen konnten''. Nach Werner Sillescus und Werner Burkhards Beobachtungen jedoch lud Dennis internationale Interpreten ein: "Der Dennis war ja ein Schwarzer, der hat alle seine Genossen - seine Brüder - spielen lassen. Die hat er mit sicherem Griff gleich nach Auftritten irgendwie geholt." Berger beschreibt dieses Phänomen unter einer zusätzlichen Sichtweise: "Wenn farbige Musiker in Hamburg waren, kamen die automatisch zu Dennis. Er versorgte sie mit guten Worten, vielleicht auch mit anderen Dingen, das weiß ich nicht so genau. Die Musiker gingen mißmutig rein und kamen gut gelaunt wieder raus."

Einige wenige Hamburger Interpreten haben den Sprung geschafft. Knut Kiesewetter, den man heute als Folkloresänger kennt, spielte regelmäßig in den Riverkasematten. Einige Jahre galt er als der beste Jazzsänger Deutschlands. Auch Hans Last, bekannt als James Last, war zu jener Zeit etabliert. Er galt in den 50er Jahren als Deutschlands bester Jazzbassist.

Im Dixielandbereich gab es natürlich Hamburger Größen, z.B. die Old Merry Tale Jazzband (Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen) oder die Jailhouse Jazzmen mit Abi Hübner. Diese füllten die Säle, machten auch Tourneen. "Aber es waren doch letztendlich keine künstlerischen Impulse, die von ihnen ausgingen. Das war schöne, gekonnte liebevoll gemachte Feierabendmusik."

Im Modernbereich sind es nur sehr wenige, beispielsweise Gunter Hampel und Klaus Doldinger, die viel im Barrett spielten. Im Jazzhouse traten nur Frankfurter Größen wie Albert Mangelsdorff auf, Hamburger Musiker eigentlich nie. Werner Sillescu erwähnt auch die Bop Cats als einzige moderne Formation, die sich über die Jahre gehalten hat und mehrere Platteneinspielungen aufweisen kann.

Die Biographien der damaligen Musiker sind meist ähnlich: Sie studierten an der Musikhochschule im klassischen Fach und verdienten sich ihren Unterhalt durch das Mitwirken in irgendwelchen Bands. Da mit Jazz wenig Geld zu verdienen war, schwenkten sie auf ein anderes Feld (Udo Lindenberg, Knut Kiesewetter). Von der Jazzmusik leben konnten (und können) die Musiker nicht. Es gab auch nicht die Möglichkeit, im Studio dazuzuverdienen. Die meisten hatten andere Berufe, Graphiker oder Lehrer, der Jazz war ein Hobby.

Linneberger berichtet noch über eine Kuriosität in den 60er Jahren: Zu dieser Zeit hatte das Schauspielhaus unter Egon Monk eine Jazzband engagiert. Nach zwei Monaten flog der Leiter der Combo Egon Monk raus, die Band blieb weiter unter Vertrag, trat aber nicht mehr im Schauspielhaus auf. Sie irrte in der Szene umher und spielte viel im Jazzhouse - bezahlt wurde sie weiterhin vom Schauspielhaus.

Die Hamburger Musiker hatten in den 50er bis 80er Jahren auch wenig Möglichkeiten, im Rahmen von Jam-Sessions ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Regelmäßigkeit wie heute beispielsweise im Birdland gab es nicht. Im Onkel Pö''s Carnegie Hall und Dennis Swing Club konnten die lokalen Musiker zeitweise mit einsteigen. Im Jazzhouse und Barrett fanden zwar regelmäßige Sessions statt, die Hamburger waren dort nicht gerne gesehen. Lediglich im Remter hatten sie einen festen Platz.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß sich die Situation für die Berufsjazzmusiker aus nationalem Gebiet bis heute verbessert hat. Besonders im Modernjazzbereich ist eine Lockerung eingetreten. Die Szene ist lebhafter und durchlässiger geworden.

Auszüge aus der Diplomarbeit und mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Benedix

(zuletzt aktualisiert: 23.08.1999 - 5322 mal aufgerufen)

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